Veranstaltungsberichte

Spielwarenmesse Nürnberg 2020

Jährlich findet in Nürnberg die internationale Spielwarenmesse unter dem Motto „The spirit of play“ statt. Sie bietet eine kompakte Marktübersicht zu neuen Produkten, preisgekröntem Spielzeug, aktuellen Branchentrends und frischen Start-Ups. Wir hatten die Möglichkeit, über die Straubinger Spieletage an Tickets für die Fachmesse zu kommen und haben uns zwei Tage lang viele Neuheiten im Bereich Brett- und Gesellschaftsspiele angeschaut und vorführen lassen.

Die Menge der Neuheiten würde allerdings den Rahmen eines Artikels mehr als überschreiten, ich möchte mich hier auf eine paar persönliche Highlights beschränken, die mich besonders angesprochen haben.


King of Tokyo – Dark Edition

Mein erstes Highlight, das mir sofort ins Auge gestochen ist, war die „Dark Edition“ von King of Tokyo. Seit ich das Spiel bei den Rockets Beans im Format „Du Bist!“ gesehen habe, hätte ich es gerne in unserer Spielesammlung. Wir konnten ja auf der Spielwiesn in München den Nachfolger „King of New York“ anspielen, das hat mich aber nur nochmehr darin bestärkt, das Spiel auf unseren Wunschzettelzu schreiben. Warum habe ich es bis hier nicht gekauft? Gute Frage. Hat sich vielleicht einfach nicht ergeben. Aber jetzt gibt es eigentlichkeine Ausrede mehr…

Die „Dark Edition“ ist eine Collectors Edition, die den gleichen Regeln folgt wie die mittlerweile über eine Million Mal verkaufte Ursprungsversion. Allerdings gibt es in dieser Version einen neuenMechanismus, der eine frische Spielerfahrung bietet. Die Materialen wurden allesamt überarbeitet und bieten einen wirklich hochwertigen und stimmigen Eindruck. So besticht die Schachtel und auch einige Spielmaterialen mit geprägte Grafiken, die Energiesymbole sind nun in From eines Blitzes gestaltet. 

Die „Dark Edition“ wird laut Auskunft des Ausstellers IELLO wohl exklusiv im Fachhandel erhältlich sein und auf eine einzige Auflage beschränkt sein. Veröffentlicht wird sie voraussichtlich Ende März 2020.


Fingers

Von „Abacus Spiele“ wurde dieses Jahr das kooperative Actionspiel „FRINGERS“ vorgestellt. Es ist für drei bis zehn Spielern ab acht Jahren gedacht. Alle Spieler stecken sich zu Beginn verschieden farbige Ringe verdeckt aus einem Beutel auf die Finger. Dann wird nach Vorgabe einer Spielkarte versucht, durch Weitergabe eines Ringes an den linken Nachbarn die Zielvorgabe der Farbkombinationen der Spielkarte zu erreichen. Hier gibt es ähnlich wie bei „Team 3“ verschiedene Schwierigkeitsgrade der Zielvorgaben.

Wir glauben, „FRINGERS“ bietet ein ähnlich großes Spaßpotential auf Partys und Events wie „TEAM 3“ vom gleichen Verlag. Durch das kooperative Spiel gegen die Uhr entsteht Spannung und Druck, das Spielziel innerhalb der Zeitvorgaben zu erreichen.


HiLO

„HiLo“ erscheint bei „Schmidt Spiele“ und ist ein Kartenlegespiel, schnell erklärt und schnell gespielt. Die Spieler versuchen, in ihrem Raster von 3×3 Karten so schnell wie möglich Karten mit hohen Punktzahlen durch solche mit niedrigen Punkten zu ersetzen oder ganze Reihen horizontal, vertikal oder diagonal zu entfernen. Wer am Ende des Spiels, wenn alle Karten aufgedeckt sind, am wenigsten Gesamtpunkte hat gewinnt. 

„HiLO“ ist einfach zu lernen, bietet aber hohe taktische Tiefe und kann schnell süchtig machen. Es ist für zwei bis sechs Spieler gedacht und als Familienspiel eingeordnet. Dank des freundlichen Spieleerklärers fanden wir in einer Proberunde schnell Zugang zum Spiel und konnten erahnen, welche Taktiken möglich sind und wie hoch das Suchtpotential des Spieles ist. Es steht auch schon auf unserer List für Neuanschaffungen 2020.


Carnival of Monsters

Das bei „Amigo“ erschienen Draft-Kartenspiel „Carnival of Monsters“ ist das erste Kennerspiel im Portfolio der Firma. Der Verlag ist bisher hauptsächlich für seine handlichen Kartenspiele sowiefürdenVertrieb verschiedener Sammelkartenspiele wie „Pokémon“ oder des Deckbuilders „Magic the Gathering“ bekannt. Mit „Carnival of Monsters“ wagt das Unternehmen nun einen Schritt in den Bereich der Brettspiele für Kenner.

Die Spieler wetteifern darum, als Sieger aus dem jährlichen Wettkampf der „Königlich Monstrologischen Gesellschaft“ hervorzugehen, um in diese aufgenommen zu werden. Wer am Ende der Jagdsaison das beeindruckendste Monsterportfolio vorweisen kann, ist der Sieger. In vier Runden werden durch das Auswählen und Weiterreichen, dem sog. „Draft“ exotische Monster gesammelt. Durch das Ausspielen von Länderkarten werden die Voraussetzungen geschaffen, die Monster in die eigene Menagerie zu schicken. Wer allerdings seine Monster nicht fachgerecht bändigen kann, muss Kredite für die Sicherungsmaßnahmen aufnehmen und erhält so am Ende ein paar Minuspunkte.

Trotz des einfachen Draft-Mechanismus bietet das Spiel durch eine Vielzahl verschiedener Kartentypen und Funktionen ein strategisch anspruchsvolles Spielerlebnis. Apropos Karten: Bei der Gestaltung der Motive haben sich sieben renommierte Illustratoren der Spieleszene verewigt. So erhält jede Region und jedes Monsters ein individuelles Aussehen und einen eigenen Charakter. Uns hat das Spie nach der Präsentation durch die freundliche Spieleerklärerin so gut gefallen, dass wir es uns am Abend noch bei Ultra-Comix in Nürnberg gekauft haben.


Magic Maze on Mars

Das Thema „Mars“ findet sich dieser Tage in sehr vielen Spielen wieder. So auch in der bei „Pegasus“ erschienen neuen Version des kooperativen Echtzeitspiels „Magic Maze“. Die Version ist eigenständig spielbar und laut Aussage der netten Spieleerklärerin wohl eigentlich die ursprünglich geplante Version des Bestsellers. 

Spezialisierte Roboter arbeiten in „Magic Maze on Mars“ auf dem roten Planeten daran, Kuppeln für zukünftige Kolonisten zu bauen. Wie beim Vorgänger kann jeder Spieler dabei nur ganz bestimmte Aktionen durchführen, um die Spielfiguren zu steuern. 

Alle Spieler spielen auch hier gleichzeitig, jeder hat aber andere Fähigkeiten wie das Nutzen verschiedenfarbiger Schnellbahnen, das Produzieren von Ressourcen oder das Erkunden neuer Zonen. Die Spieler können nur gemeinsam gewinnen, wenn jeder Kolonist innerhalb des gewohnt straffen Zeitlimits eine bewohnbare Kuppel erreicht. Natürlich darf im Spiel nicht miteinander gesprochen werden. Diesmal steht aber ein Feld mit Symbolen zur Verfügung, mit dessen Hilfe man die Mitspieler auf ihre Aktionen aufmerksam machen kann.

Ich bin ja ein großer Fan von „Magic Maze“ und so natürlich auch vom Nachfolger / Vorgänger sehr angetan. Gerade das „stumme“, kooperative Spielprinzip finde ich eine gelungene Mechanik. Auch wenn mir die Illustrationen hier nicht ganz so gut gefallen wie beim Vorgänger, möchte ich es auf jeden Fall einmal Probe spielen und bei Gefallen zu unserer Sammlung hinzufügen.


Treelings

Mit „Treelings“ bietet „Pegasus“ ein flottes Kartenspiel voller taktischer Entscheidungen. Ein innovativer Wertungsmechanismus erforderte kluges Anlegen und bietet taktische Möglichkeiten. Die Spieler versuchen, möglichst belebte Dörfer aus Bäumen zu kreieren, während sie das Baumaterial dabei in jedem Zug von ihren Nachbarn sammeln. 

Der aktive Spieler nimmt hierzu alle gleichfarbigen Karten aus der Auswahlzone seines Nachbarn. Anschließend legt der Spieler alle Karten einer Farbe aus der eigenen Auswahlzone in die eigene Auslage. So entstehen nach und nach Kartenreihen vor den Spielern. Am Ende des Spiels werden die so entstandenen Reihen gewertet. Liegt jedoch eine Reihe benachbart zu einer längeren Reihe, gibt es keine Punkte. Hierzu zählen auch die äußeren Reihen des linken und rechten Nachbarn! Nur mit der richtigen Balance kann somit ordentlich gepunktet werden. 

„Treelings“ erscheint im Laufe des Jahres und ist für drei bis fünf Spieler ab acht Jahren geeignet. Mit kurzweiligen Kartenlegespielen kann man uns ja immer ködern, hier gefällt uns vor allem die innovative Wertungsmechanik. Wir freuen uns schon, das Spiel demnächst einmal selbst auszuprobieren.


Spicy

„Spicy“ ist ein Bluff-Kartenspiel für zwei bis vier Spieler aus dem „Heidelbärverlag“. Die Handkarten werden mit Ansage verdeckt ausgespielt, sodass man bei der Ansage seiner Karte schon mal flunkern kann. Doch bei diesem cleveren und wunderschön gestaltetem Kartenspiel geht es nicht einfach nur darum, überzeugend zu bluffen. Denn eine Karte, die zumindest halb richtig ist, kann man bei geschicktem Taktieren fast immer ausspielen. Natürlich gilt es dabei zu überlegen, mit welcher Karte man wohl durchkommt.

Die Karten sind liebevoll mit insgesamt 40 eigenständigen Illustrationen versehen. Außerdem glänzt nicht nur die Spielschachtel in schickem Metallic-Gold, auch die Kartenrückseiten ziert ein goldfarbener Sonderdruck. Jede Großkatze und jedes zugehörige Gewürz (Pfeffer, Wasabi, Chili) erzählen eine eigene Geschichte.

Wir hatten die Möglichkeit, das kurzweilige Spiel zu testen und waren absolut überzeugt. Von den liebevollen Illustrationen und der Spielmechanik mit Bluff und Gegenbluff wurden wir sofort in den Bann gezogen. Neben dem eigentlichen Spiel enthält „Spicy“ sechs Spielvariantenkarten, doch auch ohne diese ist ein hoher Wiederspielwert garantiert.


Escape Room Games

Ein Trend, den man auf der diesjährigen Messe unter keinen Umständen ignorieren konnte, waren sog. „Escape-Room-Spiele“. Jeder, wirklich jeder Verlag hatte mindestens eine Variante dieses Spielprinzips in seinem Portfolio. Diese Varianten beginnen bei den „klassischen Escape-Room-Spielen“ mit Materialien, die beim Spielen zerstört werden, gehen weiter über die „Deckscape-Serie“, die man zumindest an Freunde und Bekannte weitergeben kann bis hin zu einer innovativen Spielmechanik eines dreidimensionalen Spielbrettes mit Unterstützung durch ein entsprechende App.

Allen Spielen gleich ist natürlich, dass man die einzelnen Szenarien eigentlich nur einmal spielen kann, da sich der Lösungsweg nicht ändert und der Sinn des Spiels im Erarbeiten der Lösung besteht. Die verschiedenen Settings reichen vom klassischen Entdeckerszenario a lá „Indiana Jones“ über explizite Horrorthemen bis hin zu Sience-Fiction-Szenarien. Wer von diesem Spieltyp begeistert ist, wird hier mit Sicherheit genug Futter für seine Leidenschaft finden.

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