Spielberichte

Flügelschlag

Während der Vorbereitung auf die Spielwiesn 2019 war es praktisch unmöglich, nicht auf „Flügelschlag“ vom Feuerland-Verlag aufmerksam zu werden. Die einschlägigen sozialen Medien waren voll von Nachrichten und Berichte zum Spiel. Die Auszeichnung mit „Kennerspiel des Jahres 2019“ war letztendlich dann ausschlaggebend für uns, im Hypetrain um dieses Spiel mitzufahren und es auf der Spielwiesn 2019 (ungespielt!) in unserer Sammlung aufzunehmen.


Spielmaterial

Übersicht

Das Design der Spielschachtel ist sehr markant, einen schön gezeichneten Vogel findet man unter den klassischen Brettspielmotiven eher selten. Der Spielname verrät wenig über die Mechanik, zumindest die Spielthematik kann man aber erahnen. Es wird wohl irgendwie um Vögel gehen, okay.

Öffnet man die Schachtel, findet man eine Menge Spielmaterialien. Vogeleier, ein Würfelturm, Futterwürfel aus Holz, Spielbretter für bis zu fünf Spieler, Vogelkarten, Spielmarker und eine Vogeltränke, die sowohl als Box zur Kartenaufbewahrung als auch zur Kartenauslage während des Spiels dient. Zudem gibt es ein Kartendeck für die Solo-Variante, auch an Schälchen für die Kleinteile wurde gedacht.

Qualität

Alle Spielmaterialien sind von hervorragender Qualität, wie man es von „Feuerland“ gewohnt ist. Die Anleitung und ein zusätzliches Glossar bestehen aus Linnen und fühlen sich so hochwertig an, dass man fast ehrfürchtig die Seiten umschlägt. Der Würfelturm ist aus dicker Pappe und absolut stabil. Man muss ihn auch nicht jedes Mal in seine Einzelteile zerlegen, er kann fast komplett in der Schachtel verstaut werden. An dieser Ausstattung lässt sich wirklich nichts bemängeln, ich kenne kein Spiel, das eine ähnlich hohe Qualität bietet.

Details

Die Anleitung lässt wirklich keine Wünsche offen. Alle während des Spiels aufgetretenen Fragen konnte ich nachschlagen und fand dazu passende Antworten. Man hat hier nicht gespart, die Seiten sind mit zum Teil formatfüllenden Zeichnungen von Vögeln wunderschön und übersichtlich gestaltet. Das angesprochene Linnen fühlt sich fantastisch an. Laut Aussage des Herstellers von der Spielwarenmesse 2020 haben wohl schon mehrere Verlage diesen Stoff für ihre Anleitungen nachgefragt.

Die Illustrationen der Vögel sind fantastisch, die Spielkarten sinnvoll gestaltet und die vermittelten Informationen wie Siegpunkte und Fähigkeiten schnell zu finden. Zudem enthält jede Karte am unteren Rand noch eine kurze Information zum Vogel, so lernt man nebenbei auch noch etwas. Dass es sich hier nur um nordamerikanische Tiere handelt, störte uns nicht wirklich. Eine Erweiterung mit europäischen Vogelarten ist aber auch erhältlich.

Insgesamt macht der Umgang mit dem Spiel sehr viel Spaß. Die Haptik und Optik ist hervorragend, man merkt die hohe Qualität an allen Ecken und Enden und bekommt für die ca. 40,- € Spielpreis auf jeden Fall einen angemessenen Gegenwert.


Spielablauf

Vorbereitung

Jeder Spieler erhält ein Tableau, dass horizontal in drei Zonen (Wald,- Wiese- und Tümpel) und vertikal in insgesamt sieben verschiedene Abschnitte eingeteilt ist. Zu Beginn erhält jeder Spieler zudem fünf Vögel als Handkarten, fünf verschiedene Futtermarker und eine geheime Auftragskarte für Zusatzpunkte am Spielende. Zuletzt werden noch die Marker für die Spielaktionen verteilt und zufällig die jeweiligen Rundenziele festgelegt. Die Wertungskarte hat zwei Seiten, man kann zwischen einer etwas leichteren oder einer mehr kompetitiven Wertungsskala wählen. Drei Vogelkarten werden aufgedeckt in die Vogeltränke gelegt und die Futterwürfel mit Hilfe des Würfelturms gewürfelt. Nach der Festlegung des Startspielers kann es schon losgehen.

Ablauf

Zu Beginn des Spiels wählt jeder Spieler aus seinen fünf Handkarten diejenigen aus, die er sich behalten möchte. Für jede abgelegte Handkarte darf er sich einen Futtermarker behalten. Diese (und später auch Vogeleier) benötigt er, um die Vögel in ihr jeweiliges Habitat auszuspielen. Bei „Flügelschlag“ handelt es sich um einen sog. „Engine-Builder“. Durch ausgespielte Karten wird versucht, mit den Fähigkeiten der Vögel Synergie-Effekt zu erzeugen, die im Laufe des Spiels immer stärker werden.

Manche Vögel dürfen allerdings nur in den Wald, manche nur in die Wiese, manche nur in den Tümpel ausgespielt werden. Einige Vögel können aber auch in allen Zonen sesshaft werden oder später im Spiel ihre Zone wechseln. Ausgelegt werden die Vögel von links nach rechts. Das ist wichtig, weil jede der drei Zonen verschiedene Aktionsmöglichkeiten bieten, z.B. den Erwerb von neuem Futter, Vogeleiern oder neuen Handkarten. Je mehr Vögel in einer Zone ausgespielt wurden, desto stärker ist dieser Effekt.

Sobald ein Spieler die Aktion (Futter, Eier, Karten) einer Zone bzw. Reihe aktiviert, werden nach der Aktion von rechts nach links die Fähigkeiten der Vögel in dieser Reihe ausgelöst. Deshalb versucht man, Vögel mit passenden Fähigkeiten möglichst so in eine Reihe zu legen, dass man den größtmöglichen Nutzen aus diesen Fähigkeiten zieht.

So spielt man reihum Runde für Runde Vögel in die verschiedenen Habitate, aktiviert Mechaniken und versucht, eine möglichst effiziente „Engine“ zu bauen. Orientierungspunkt für die gespielte Taktik kann hier die Starthand bzw. die Auslage der Vögel in der Tränke sein. In der letzten Runde bleibt allerdings meistens nicht mehr allzu viel zu tun. Meistens werden dort schlicht Eier für Punkte gelegt. Eine klare Schwäche des Spiels, andere Taktikten sind aber dennoch möglich.

Abrechnung

Sind alle Spielmarker einer Runde aufgebraucht, gibt es eine kurze Zwischenwertung. Jeder Spieler legt auf der Rundenwertungskarte einen Spielmarker ab, je nachdem, wie gut der das Rundenziel erfüllt hat. Die so aus dem Spiel genommenen Marker beschränken natürlich die Aktionen der nächsten Runden, so dass man sich genau überlegen muss, wie man seine Taktik weiterspielt. Nach vier Runden endet das Spiel und es erfolgt die Endabrechnung.

Jeder ausgespielte Vogel bringt Punkte, genauso wie auf dem Spielbrett verteilte Vogeleier und bestimmtes Futter. Neben den Punkten für erreichte Rundenziele werden noch die geheimen Auftragskarten am Ende abgerechnet. Diese waren bei unseren Spielen oftmals entscheidend für den Sieg. Die Punkte lassen sich auf dem beigelegten Wertungsblock gut eintragen und abrechnen.


Bewertung

Spielidee / Geschichte zum Spiel

Spielillustration / Qualitiät Spielmaterial

Einstieg ins Spiel / Anleitung

Preis-Leistungs-Verhältnis

Spielvarianten / Langzeitmotivation


Persönliches Fazit

Eins vorweg: Für mich ist „Flügelschlag“ ein sehr gutes Spiel, dass Spaß macht und seine Auszeichnung als „Kennerspiel des Jahres“ zurecht erhalten hat, auch wenn es sich im Spielverlauf die eine oder andere Schwäche erlaubt. Die ersten Partien, auch mit unerfahrenen Spielern, waren großartig. Jede Partie verläuft etwas anders, manchmal gibt es Futtermangel, weil kaum Vögel aus dem Wald erhältlich sind, manchmal werden Vögel im Grasland besonders belohnt etc. Je nach Starthand, Auslage und Rundenzielen unterscheidet sich jede Partie in ihren Schwerpunkten.

Das Thema des Spiels wurde meiner Meinung nach gut umgesetzt, auch wenn es dabei die eine oder andere Schwäche gibt. Die Mechanik der Raubvögel z.B. wurde gut in das Spiel intergriert, andere Mechaniken wirken nach genauerer Betrachtung aber etwas gestellt. Sehr gut gefallen hat mir, wie oben erwähnt, der kurze Infotext am unteren Rand der Karte sowie das Artwork der Karten allgemein.

Mit steigender Anzahl der Partien werden aber auch die Schwächen immer deutlicher. Zwar gibt es eine sehr hohe Anzahl an verschiedenen Vögeln, die unterschiedlichen Fähigkeiten halten sich aber in einem engen Rahmen. Ein paar mehr Fähigkeiten wären der Langzeitmotivation und Varianz auf jeden Fall zuträglich gewesen. Natürlich besteht hier die Gefahr, dass das Balancing unter den verschiedenen Fähigkeiten leidet. Und im Moment ist das Spiel sehr gut abgestimmt. In der bereits erschienenen Europa-Erweiterung werden aber wohl neue Fähigkeiten eingeführt. Ich kann aber noch nicht sagen, wie sich diese auf das Spiel auswirken.

Wie bereits erwähnt, läuft die letzte Runde meist darauf hinaus, so viele Eier wie möglich zu produzieren, um an so viele Punkte wie möglich zu kommen. Diese Taktik ist so naheliegend, dass sie von fast allen Mitspielern intuitiv gespielt wurde. Sie macht das Spiel nicht kaputt, hinterlässt aber irgendwie einen faden Beigeschmack. Natürlich führen auch andere Taktiken zum Sieg, aber das Sammeln von Eiern geht eigentlich immer. Für erfahrene Spiele ist es so durchaus möglich, schon von Beginn an auf eine starke Engine im Grasland zu setzen und somit die Spielmechanik bis zu einem gewissen Grad auszuhebeln. Schade, da hier das ansonsten gelungene Spielprinzip fast schon ad absurdum geführt wird.

Davon abgesehen bleibt „Flügelschlag“ aber ein sehr gutes Spiel. Die hervorragende Qualität der Spielmaterialien bildet eine solide Grundlage. Und wenn man dann mit den wunderschön gezeichneten Vogelkarten eine effiziente Engine gebaut hat und diese zwei oder drei Mal aktivieren konnte, macht das richtig Spaß.

Im Spiel zu zweit und zu dritt ist der Spielfluss angenehm schnell und es entstehen kaum Wartezeiten. Bei vier Spielern kann eine Runde allerdings schon mal etwas länger dauern, gerade wenn die Spieler mit den einzelnen Mechaniken noch nicht zu hundert Prozent vertraut sind. Dies könnte sich beim Spiel zu fünft noch mehr auswirken. Ein Solospiel habe ich bisher nur in einem Erklärvideo gesehen, möchte ich aber gerne auch mal selbst ausprobieren.

Wir freuen uns auf jeden Fall schon auf die nächste Partie.

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